Archiv der Kategorie Rechtsphilosophie

NICHTRAUCHERSCHUTZ PER GESETZ

Mit dem Jahreswechsel 2007/2008 traten die neuen Regelungen zum sogenannten Nichtraucherschutz in Kraft. Einige Bundesländer konnten bereits im Vorjahr erste Erfahrungen sammeln, andere haben noch eine Übergangsfrist, für alle aber gilt: in Zukunft ist das Rauchen in gastronomischen Betrieben und öffentlichen Gebäuden verboten. Eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht will hier Einhalt gebieten, denn die Gastronomen fürchten um ihre Umsätze. Die Lager sind gespalten. Wie auch immer die Richter entscheiden werden, oder welche Maßnahmen Rauchgegner und –befürworter noch ergreifen werden, fraglich ist in jedem Fall, inwiefern der Staat in einem solchen Fall tatsächlich regulativ eingreifen muss oder möglicherweise gar nicht darf.

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GESETZ, MORAL UND GESCHWISTERLIEBE

Der Fall eines Geschwisterpaares, das die gemeinsame Elternschaft gleich mehrerer Kinder beansprucht und ein gemeinsames Leben als Paar nicht aufgeben will, beschäftigte in den letzten Wochen neben den zuständigen Justizvertretern vor allem auch die Boulevardpresse. Erstaunlich ist dabei der geringfügige Anteil seriöser journalistischer Auseinandersetzung mit der Problematik, an deren Stelle in erster Linie eine gewisse Form von Jahrmarktzirkus tritt. Von der menschlichen Tragödie ganz abgesehen, die sich in einem solchen Fall offenbart, ist es aber vor allem die weitest gehende Unwidersprochenheit, mit der die Bewertung der betreffenden Konstellation belegt wird. Dabei ist es gar nicht so weit hergeholt, die Grundlagen des Inzestverbotes zwischen Geschwistern erst einmal kritisch zu hinterfragen, bevor man zur (moralischen?) Verurteilung übergeht.

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FREIWILLIGENARMEE CONTRA WEHRPFLICHT

Vorstöße der SPD in den letzten Wochen haben die alte Diskussion um die Abschaffung der Wehrpflicht in Deutschland einmal wieder auf den Tisch gebracht. Kaum war der Gedanke aber ausgesprochen, ruderte man auch schon wieder zurück und beeilte sich, stattdessen eine möglichst unentschlossene Alternative zur Diskussion zu stellen. Was auch immer man von den neuerlichen Ansätzen aber nun halten mag, unstrittig ist, dass die Frage nach der Notwendigkeit einer allgemeinen Wehrpflicht zunächst einmal einer grundsätzlichen Klärung bedarf, bevor man sich an einzelne Lösungsvorschläge machen kann. Daran scheint aber, wie so oft, niemandem wirklich gelegen. Die Ergebnisse nämlich – und das ist so manchem längst klar - könnten zu radikalen Entschlüssen führen.

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WIEVIEL GEWALT VERTRÄGT DIE KUNST?

Eine Reihe besonders gewalttätiger US-Spielfilme der letzten zwei Jahre wird mittlerweile unter der etwas befremdlichen und inhaltlich irreführenden Kategorie „torture porn“ oder auch „gorno“ (für gore=Blut und porn=Porno) diskutiert. Grund für diese Namensgebung ist die ausführliche Darstellung von Gewaltmaßnahmen gegenüber den Filmfiguren, die in aller Regel durch Folter oder Verstümmelung ums Leben kommen. Positiv gestimmte Kritiker sehen hierin eine drastische Reaktion auf die Ereignisse um Guantanamo und Abu Ghraib, andere vermuten eher eine Herabsetzung der Hemmschwelle unter kommerziellen Aspekten. Die Frage hinter beiden Positionen ist jedoch identisch und zielt ab auf mögliche Erlaubnisgrenzen von Gewaltdarstellungen in Werken aus Kunst und Kultur.

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MEHR DEMOKRATIE DURCH VOLKSENTSCHEIDE

Dass auch demokratisch gewählte Volksvertreter ungern Teilbereiche Ihrer Macht ans Volk abgeben wollen, zeigt die neuerlich angestoßene Debatte um eine mögliche Direktwahl des Bundespräsidenten. Vom derzeitigen Amtsinhaber selber, und nahezu nur in einer Randbemerkung ins Gespräch gebracht, überschlugen sich die Gegenstimmen nichts desto trotz schon rasch gegenseitig. Ob in diesem Gedanken aber in Wahrheit nicht viel mehr Demokratie steckt als im bisherigen Procedere, kann nur die Analyse von Amt und Funktion zeigen.

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ETHIK STATT KONFESSION? EINE PFLICHTFACHDEBATTE

Nachdem im Anschluss an die Einführung des Pflichtfachs Ethik an den Berliner Schulen ein heftiger öffentlicher Streit entbrannt war, haben nun die Verfassungsrichter allen Zweifeln ein Ende bereitet: die Verpflichtung zum Ethik-Unterricht anstelle des konfessionellen Religionsunterrichts ist verfassungskonform. Man fragt sich im Nachhinein nicht zu Unrecht, wie es überhaupt zu der entstandenen Kontroverse kommen konnte.

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EGO-SHOOTER IM KREUZFEUER

Killerspiele - Gewaltpotential - Staatliche Verbote - Politische Lösungen - Erziehung - Bildung - Medien - Ursachenforschung - Menschenwürde

Neben gewaltlastigen Horrorfilmen und lautstarker Heavy-Metal-Musik (die vermutlich so manchen Volksvertreter schnell aus dem Büroschlaf im Parlamentsstuhl reißen würde und ihm deshalb so gefährlich vorkommt) ist es vor allem eine bestimmte Typologie von PC- und Konsolenspielen, die in der politischen Diskussion gerne zur bestimmenden Ursache von Fehlentwicklungen bei zur Gewalt neigenden Jugendlichen erklärt wird. Im Falle akuter Handlungsnot unter öffentlichem Druck wird deshalb regelmäßig ein generelles Verbot sogenannter „Ego-Shooter“ (in der bereits politisch instrumentalisierten Form mit dem Terminus „Killerspiele“ belegt) als Lösung auf den Plan gerufen – und man mag hinzufügen: über weite Strecken ohne Sinn und Verstand.

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