Plastische Chirurgie – ein ethisches Problem?

Mai 28th, 2010

5 Milliarden Euro sind ein stolze Zahl. Soviel jedenfalls sollen die Deutschen im Jahr 2009 für Schönheitsoperationen ausgegeben haben. Man kann sich grob vorstellen, wie die Verhältnisse da weltweit stehen. Unabhängig von medizinisch uneingeschränkt notwendigen Fällen (bei Deformationen, die eine erhebliche Einschränkung der Lebensqualität bewirken oder gar gefährlich sein können), wäre ein Großteil derartiger chirurgischer Eingriffe zu unterschiedlichen Graden jedoch durchaus auch verzichtbar. Die Motive mögen vielfältig sein, und nicht immer ist es nur die gerne oft unterstellte (und sicherlich nicht selten auch wirksame) persönliche Eitelkeit, die hier eine Rolle spielt, doch in der Regel ist der Schritt zu einer Schönheits-OP nur eingeschränkt von gesundheitlichen Überlegungen bestimmt.

Philosophische betrachtet, ist die kosmetische Chirurgie in allen ihren Ausprägungen hauptsächlich in einer Hinsicht interessant, und das ist eine ethische. Doch dabei stehen weniger die Ärzte im Fokus, als vielmehr die Patienten selber. In kantischer Fragestellung ließe sich die Aufgabe formulieren: Ist die Entscheidung zu einem freiwilligen, medizinisch nicht uneingeschränkt notwendigen ästhetischen Eingriff moralisch geboten, verboten oder einfach freigestellt (also erlaubt ohne ethischen Zwang)?

Read the rest of this entry »

Das Modell des Grundeinkommens

April 17th, 2010

Der allgemeine und allgegenwärtige Diskursrahmen, in dessen Zentrum ein in seltsam unkritischer Weise stillschweigend akzeptierter Begriff des Homo Utilitatis vorherrscht, begegnet dem Konzept eines beschäftigungsunabhängigen „Grundeinkommens“ in aller Regel mit Hohn. Gebrandmarkt als aberwitziger Einfall einiger Utopisten, denen der Bezug zur „Realität“ abhanden gekommen sei, wird das Thema gerne vorschnell abgehakt. Statt einer eingehenden Auseinandersetzung mit der Problematik wird allenfalls die – übrigens längst auf unterschiedliche Weisen bedachte – mehr oder weniger rhetorisch gemeinte Frage nach der vermeintlich unmachbaren Finanzierbarkeit gestellt, um sich daraufhin wieder beruhigt mit zwar herkömmlichen und üblichen, keineswegs jedoch wirklich bewährten Konzepten und Modellen zu beschäftigen. Die Verachtung, die das hier zugrundeliegende Menschenbild bestimmt, ist kaum zu unterschätzen.

Read the rest of this entry »

Philosophie, Biologie und Genforschung

März 28th, 2010

Gerade im Zusammenhang von Biotechnologien, insbesondere der „Gentechnik”, wird immer wieder der Ruf laut nach Beschränkung der Forschungstätigkeiten, wenn nicht gar nach einem völligen Verbot weiterer Forschungsbemühungen auf diesen Gebieten. Die Frage nach Grenzen des Zulässigen oder Erlaubten wird in den Raum gestellt, wobei erstaunlicherweise ungefragt bleibt, wer oder was denn da grundsätzlich und rechtmäßig Erlaubnis gewähren und Forschung gestatten oder untersagen könnte. Dabei erhält die Gentechnik häufig eine unerklärlicherweise zugewiesene Sonderstellung, die kaum einmal mehr auf ihre Angebrachtheit und Berechtigung geprüft wird.

Read the rest of this entry »

Wieviel Gewalt verträgt die Kunst?

Januar 19th, 2010

Eine Reihe besonders gewalttätiger US-Spielfilme der letzten Jahre wird mittlerweile unter der etwas befremdlichen und inhaltlich irreführenden Kategorie „torture porn“ oder auch „gorno“ (für gore=Blut und porn=Porno) diskutiert. Grund für diese Namensgebung ist die ausführliche Darstellung von Gewaltmaßnahmen gegenüber den Filmfiguren, die in aller Regel durch Folter oder Verstümmelung ums Leben kommen. Positiv gestimmte Kritiker sehen hierin eine drastische Reaktion auf die Ereignisse um Guantanamo und Abu Ghraib, andere vermuten eher eine Herabsetzung der Hemmschwelle unter kommerziellen Aspekten. Die Frage hinter beiden Positionen ist jedoch identisch und zielt ab auf mögliche Erlaubnisgrenzen von Gewaltdarstellungen in Werken aus Kunst und Kultur.

Read the rest of this entry »

Zukunft und Sicherheit der Rente

Dezember 29th, 2009

Der weit verbreitete Zweifel an der zukünftigen Sicherheit unserer Rente sorgt im Grunde seit den berüchtigten Versprechungen Norbert Blüms hierzulande für vielgestaltige Beunruhigung. Dabei ist es vor allem die Ratlosigkeit darüber, wie es denn möglich sein solle, ein künftiges Versorgt- und Abgesichertsein im Alter zufriedenstellend zu gewährleisten, die das Thema nicht ruhen lässt. Angesichts geburtenschwacher Jahrgänge, zunehmend steigender Lebenserwartung und weiterhin anwachsender Ausgaben für kostenintensive, im Rahmen der Gesund- und Lebenserhaltung anfallende medizinische Versorgungsleistungen, scheint dies nämlich eine schier nicht zu bewältigende Herausforderung zu sein, die da auf den Schultern der „Generationen“ lastet.

Read the rest of this entry »

Artgerechte Nutztierhaltung

September 19th, 2009

„Unnötiges” Leid und „vermeidbare” Schmerzen sollen nach Möglichkeit auch denjenigen Tieren nicht zugefügt und zugemutet werden, deren Dasein allein durch menschliches Entscheiden und Eingreifen hinsichtlich des Erreichens einer gewissen „Reife” (im Sinne von Gewicht, Größe, Ergiebigkeit oder Produktivität) befristet wird. Dieser Maxime hat, europäischen Richtlinien genügend, nationalstaatliche Gesetzgebung Entsprechung zu leisten.

Sieht man einmal von der Frage ab, ob überhaupt von einer Notwendigkeit und Berechtigung ausgegangen werden kann und darf, Lebewesen zum Zwecke der Genussmaximierung „zu produzieren”, so bleibt immer noch prinzipiell hinterfragbar, inwiefern der Mensch verpflichtet ist, den von ihm ins Leben gerufenen Kreaturen ein jeweils „artgerechtes” Leben bis zu ihrem Lebensende zu ermöglichen und zu gewährleisten.

Read the rest of this entry »

Schreckgespenst Überwachungsstaat

August 22nd, 2009

Mit dem Verweis auf die seit geraumer Zeit beständig dringlicher werdende Prävention vor Terroranschlägen oder Einzeltätern, mit denen allerorts immer wahrscheinlicher zu rechnen sein müsse, und mit der Begründung, bessere und schnellere Fahndungserfolge zu ermöglichen, werden vielgestaltige Überlegungen angestellt, bislang ohnehin bereits etablierte und fast zur Gewohnheit gewordene Überwachungsmaßnahmen in erheblichem Maße und Umfang auszuweiten.

Getreu dem Lenin´schen Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser”, wird – an das menscheneigene Bedürfnis nach größt- und bestmöglicher und auch künftiger Sicherheit appellierend – von der Notwendigkeit der Schließung bestehender sogenannter „Sicherheits-Lücken” gesprochen und daran gearbeitet, Befürchtungen des immer umfassenderen und undurchsichtigeren Ausgeliefertseins an anonyme staatliche Kontrollorgane und –institutionen zur alltäglichen Gewissheit werden zu lassen. Interessanterweise lässt sich im alltäglichen Arbeitsleben eine Parallele finden, von der her die entstehende Problematik offensichtlich wird.

Read the rest of this entry »

Mehr Demokratie durch Volksentscheide

Juli 6th, 2009

Dass auch demokratisch gewählte Volksvertreter ungern Teilbereiche Ihrer Macht ans Volk abgeben wollen, zeigt die neuerlich angestoßene Debatte um eine mögliche Direktwahl des Bundespräsidenten. Vom derzeitigen Amtsinhaber selber, und nahezu nur in einer Randbemerkung ins Gespräch gebracht, überschlugen sich die Gegenstimmen nichts desto trotz schon rasch gegenseitig. Ob in diesem Gedanken aber in Wahrheit nicht viel mehr Demokratie steckt als im bisherigen Procedere, kann nur die Analyse von Amt und Funktion zeigen.

Read the rest of this entry »

Macht Sinn überhaupt Sinn?

April 1st, 2009

Zu den schwierigsten Begriffen des Denkens gehört zweifellos der Begriff des Sinns. Obwohl ständig im Gebrauch, sind seine Bedeutungsvarianten doch recht umfangreich und keineswegs klar und eindeutig. Niklas Luhmann sieht die Bedeutung von Sinn in der menschlichen Entwicklungsgeschichte verwurzelt: “Sinn ist eine raffinierte evolutionäre Errungenschaft.” Viel gesagt ist damit jedoch nicht. Bemerkenswert: Von Sinn im Plural zu sprechen, ist unüblich. Bedeutet dies, dass es nur einen einzigen Sinn gibt oder geben kann? Aber die Beschäftigung mit dem Begriff wirft noch eine ganze Reihe anderer Fragen auf: Ist Sinn vorgegeben? Wer oder was kann Sinn geben, stiften, schaffen? Ist Sinn nur ein relationales Verhältnis, oder gibt es ihn objektiv? Stellen das Ab- oder Zusprechen von Sinn allgemeingültige Aussagen dar, oder sind derartige Behauptungen jeweils standpunktgebunden? Ist Sinn eine Qualität oder eine Eigenschaft von etwas? Und auf die conditio humana angewendet: Warum fragt und sucht der Mensch nach dem Sinn? Ändert sich etwas, wenn es als sinnvoll erkannt wird? Und vor allem: Macht die Frage nach dem Sinn selber überhaupt Sinn?

Read the rest of this entry »

Geiz und soziale Verantwortung

Januar 17th, 2009

Im Zuge einer mittlerweile schon recht langlebigen Kampagne eines bekannten Elektronikdiscounters hat die Popularisierung von Geiz als einer begrüßenswerten Haltung inzwischen einen gesellschaftsfähigen Status erreicht. Wer geizt, handelt klug und tut sich selber etwas Gutes. So jedenfalls scheint ein gewisser Konsens es zu sehen – und das keineswegs nur oder hauptsächlich im Rahmen privaten Konsumverhaltens.

Read the rest of this entry »